Inizio > Rivista Antonianum > Articoli > Freyer Giovedì 12 dicembre 2019
 

Rivista Antonianum
Informazione sulla pubblicazione

 
 
 
 
Foto Freyer Johannes B. , Recensione: P. Seegets, Passionstheologie und Passionsfrömmigkeit im ausgehenden Mittelalter. Der Nürnberger Franziskaner Stephan Fridolin (gest. 1498) zwischen Kloster und Stadt, in Antonianum, 74/1 (1999) p. 176-179 .

Die historische Untersuchung bestimmter Epochen der Vergangenheit gewinnen an Lebendigkeit, wenn wichtige Bereiche des konkreten Lebens an exemplarischen Beispielen, die für sich und gleichzeitig für die Charakteristik einer bestimmten Zeit sprechen, dargestellt werden. Um eine solche Darstellung handelt es sich bei dem vorliegenden Buch über die Passionstheologie und die Passionsfrömmigkeit des ausgehenden Mittelalters von Petra Seegets. Sie legt hier die Veröffentlichung ihrer Dissertation an der Theologischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität zu Erlangen-Nürnberg auf. Einer allgemeinen und vielleicht pauschalisierenden Darstellung des Themas zieht die Autorin es vor, die das ausgehende Mittelalter charakterisierende Frömmigkeitsform am konkreten Beispiel des Franziskaners Stephan Fridolin und seiner Werke aufzuzeigen. Dabei gelingt es ihr zugleich diese für jene Epoche markante Form der Volksfrömmigkeit zu kennzeichnen, als auch, soweit aufgrund des Quellenmaterials möglich, eine mit dieser Frömmigkeit verbundene Gestalt und den klösterlichen wie auch städtischen Kontext lebendig werden zu lassen. Dabei verfällt sie keinesfalls in eine reine Lokalgeschichte die gerade mal für heutige geschichtsbewußte Nürnberger Bürger von Interesse wäre. Das konkrete Beispiel macht die Untersuchung des Themas geradezu auch für jenen Leser plastisch anschaulich, der sich zwar für das Thema aber weniger für Auszüge der Lokalgeschichte eines Nürnberger Franziskanerklosters interessiert. So oder so ähnlich kann es sich auch in vielen andern Städten jener Zeit zugetragen haben. Die partielle Untersuchung gewinnt hier eine allgemein bedeutsame Beispielhaftigkeit.

Die in den Blick genommene Gestalt, der Franziskaner Stephan Fridolin, wurde in der einschlägigen Literatur bisher stiefmütterlich behandelt und in Verzeichnungen und Vergröberungen dargestellt (1). Ziel der Autorin ist es deshalb: „zum einen, Stephan Fridolin auf der Basis des heute bekannten Quellenmaterials in einen zeit- und ordensgeschichtlichen Kontext einzuordnen und aus den vorhandenen Daten soweit als möglich eine vita des Franziskaners zu entwickeln. Zum anderen wird es darum gehen, in seine Werke einzuführen und deren literarischen wie inhaltlichen Eigencharakter herauszuarbeiten, um so das frömmigkeits-theologische Profil ihres Autors sichtbar zu machen“ (2).

Zunächst beschreibt die Autorin nun den historisch-biographischen Hintergrund (4 – 55) für das Leben und Wirken des Stephan Fridolin. Im Mittelpunkt steht dabei die Einführung der Reformbewegung der Observanz im Franziskanerorden. Die Darstellung der generellen Ursachen und auch der wahren Anliegen der Observanz kommt dabei m.E. etwas zu kurz. Sie beschränken sich auf knapp drei Seiten (9-11). Die Zusammenhänge sind da etwas komplexer und bedürften einer ausführlicheren Würdigung. Die Observanz beschränkt sich in ihrer Vielfalt nicht nur auf die Einhaltung der Regel im Geiste des Stifters Franziskus (9). Neben der Armut setzt sie Schwerpunkte gerade auch in der kulturellen Bildung und im Studium. Sie orientiert sich neu für eine Volkspastoral in Predigtdienst und Glaubensverkündigung. Dazu entwickelt sich in der Observanz eine vielfältige schriftstellerische Tätigkeit. Darüber hinaus stellen sich die Mitglieder der Observanz auch in den Dienst der Armen, z.B. der Pestkranken in den Städten, wo diese Seuche ausbricht. Das Ideal des Franziskus wird umfassend in einem zeitgenössischen Verständnis belebt (vgl. J.B. Freyer, Hg., Geschichte in Gestalten. Lebensbilder aus der Kölnischen Franziskanerordensprovinz von den Hl. Drei Königen, Bd. II (Mönchengladbach 1989) pp. 26 – 28). Der hier dargestellte Stephan Fridolin ist tatsächlich ein exemplarisches Beispiel für die Observanz. Die Autorin vermutet, daß er eventuell sich bewußt für den Wechsel in ein reformiertes Kloster der Observanz entschieden hat (28). Wieder sehr Ausführlich und überzeugend beschreibt sie dann die Einführung der Observanz und die Gründe dafür in der Stadt Nürnberg (11-23). Aus kirchen-, sozial- und wirtschaftspolitischen Interessen hat der Rat der Stadt aktiv die Reform des Franziskanerklosters betrieben. Neben dem politischen Motiv durch die Eigeninitiative möglichst Fremdeinflüsse von außerhalb gering zu halten vermerkt die Autorin aber auch die Sorge um eine religiöse Orientierung in der Frömmigkeit (20). Dabei war sich der Rat der Stadt durchaus seiner Gratwanderung bewußt: „Nürnberg achtete vielmehr darauf, möglichst erfolgreich auf dem schmalen Grat, der sich zwischen der Vertretung eigener Interessen und der Unterstützung von Belangen kirchlicher Machthaber und Institutionen erstreckte, zu wandeln; man versuchte, Verstimmungen so weit als möglich zu vermeiden und investierte oft beträchtliche finanzielle Mittel in kirchliche Einrichtungen und Vorhaben (auch außerhalb Nürnbergs), ohne dabei jedoch die in der Reichsstadt stark ausgeprägten Qualitäten von Selbstbewußtsein, Zielstrebigkeit und Durchsetzungsvermögen einzuschränken“ (22).

In dieses Panorama ordnet S. nun das Leben des Franziskaners Stephan Fridolin ein (24 – 50). Aufgrund mangelnder Quellen über die Herkunft und Jugendzeit des Predigers hält sich S. bei der Beschreibung dieses Zeitraumes zurück, um dann um so ausführlicher jene Stationen seines Lebens zu beschreiben, die aufgrund von Dokumenten und Hinweisen gesichert sind. Im Blickpunkt steht dabei die Bamberger Zeit als Prediger (29 f.), die Ausbildung zum Lektor der theologischen Wissenschaften in Mainz (30 ff.) und es wird von der abenteuerlichen Reise nach Rom berichtet, die mit einer Entführung durch Piraten nach Korsika endete (35). Im Mittelpunkt steht dann die Nürnberger Zeit, mit wenigen Unterbrechungen von 1479 bis zu seinem Tode am 18. 8. 1498 (37-50). Dabei zeigt S. auf, wie Stephan Fridolin sich eine umfassenden, humanistisch zu nennende, Bildung mit vielfältigen Interessen für die Geschichte (32) und sogar für die Edelsteinkunde (33) aneignete.

Bevor S. nun auf das zur Passionsfrömmigkeit gehörende Werk der Schatzbehalter zu sprechen kommt gibt sie einen Überblick über die anderen Schriften des Stephan Fridolin. Da sind seine Predigten (57-89), eine allegorische Betrachtungen unter dem Titel ‚Geistlicher Mai und Geistlicher Herbst‘ (91-121), eine Lehre für angefochtene und kleinmütige Menschen (123-141), sowie das Buch von den Kaiserangesichten (142-167). Vor allem letzteres bezeugt die humanistische Bildung seines Autors (164). Zu jedem der Werke untersucht die Autorin die Datierung und die berechtigte Zuweisung an Stephan Fridolin als den jeweiligen Autor. Sie fragt nach dem Kreis der Adressaten und der Entstehungssituation. Auch etwaige Quellen und literarische Verbindungen werden aufgezeigt. Auch wird das ein oder andere Textbeispiel im Originalton beigegeben. Besonders deutlich wird dabei, daß Stephan Fridolin einerseits für die ihm anvertrauten Klarissen wirkte und dabei gleichzeitig Zuhörer und Leser aus dem Bürgertum, also Laien, ansprechen wollte. Diese Fähigkeit sich so auf den jeweiligen Adressatenkreis einstellen zu können machte aus ihm sicherlich den gefragten Prediger in Nürnberg.

Den dritten Teil dieses Buches macht dann die Darstellung des Hauptwerkes den Schatzbehalter aus (169-285). Da es sich dabei um das einzige schon zu Lebzeiten von Stephan Fridolin in gedruckter Form erschienene Werk handelt bearbeitet S. zunächst die Drucklegung und die Überlieferung des Textes (169 – 176). Als Anlaß wird eine Anregung von Außen vermerkt (176 f.). Überraschend, für den Kunstfreund aber ein besonderer Genuß, wird ausdrücklich auf die Verbindung des Textes zu den im Schatzbehalter aufgenommenen Holzschnitten hergestellt (179-186). Einige dieser Holzschnitte sind auch in diesem Buche Seegets in vorzüglicher Weise aufgenommen und man kann sich so einen konkreten Eindruck vom Original machen. Die Frage nach den Adressaten des Schatzbehalters stellt sich als sehr komplex heraus und ist nicht leicht zu beantworten. Auf der einen Seite wird immer wieder betont, daß das Werk für Laien und Laien (193) zum leichten Verständnis geschrieben sei. Auf der anderen Seite erweist sich das Werk immer wieder gerade für diese Kreise als eine Überforderung (195). Stephan Fridolin selbst betont, daß er einen möglichst weiten Leserkreis erfassen möchte (197). Die Autorin widmet sich ausgiebig dieser Frage. Sie geht sogar der wirtschaftlichen Situation (200-204) und der religiösen Praxis (205-213) des möglichen Leserkreises nach. Zum Werk selbst entschlüsselt sie die Didaktik und die Methodik der Darstellung, sie eruiert ausführlich die Quellen (227-232), um dann auf die in diesem Werk dargestellte Passionstheologie und Passionsfrömmigkeit zu sprechen zu kommen. Hierzu gibt sie einen Einblick in die Bedeutung franziskanischer Passionstheologie im besonderen (233-235), um dann aber auch andere spätmittelalterliche Formen aufzuzeigen (235-240). In diesen Kontext wiederum stellt sie den Schatzbehalter hinein und gibt eine Einführung in die Darstellung der Passion Christi und ihrer Bedeutung für den Leser innerhalb dieses Werkes. Das ganze ist immer wieder durch Textbeispiele aufgelockert. Zusammenfassend vermerkt S., daß der Franziskaner im Schatzbehalter einen theologischen Entwurf vorlegt, „der wißbegierigen Städterinnen und Städter, die in religiösen Angelegenheiten wachsendes Selbstbewußtsein zeigen, zu den Früchten der Passion Christi hinführen soll“ (288).

Dem ganzen ist in der Form der Auflistung ein schematischer Aufbau des Schatzbehalters (192-306), eine Übersicht über die Holzschnitte (306-312), eine Zusammenfassung der Lebensdaten des Stephan Fridolin (312 f.), ein ausführliches, aufgegliedertes Literaturverzeichnis (314-332) und ein Personen- und Ortsregister angefügt.

 


 
 
 
 
 
 
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