Inizio > Rivista Antonianum > Articoli > Stamm Martedì 29 settembre 2020
 

Rivista Antonianum
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Foto Stamm Heinz-Meinolf , Recensione: GERHARD EBELING, Luthers Seelsorge: Theologie in der Vielfalt der Lebenssituationen an seinen Briefen dargestellt , in Antonianum, 73/4 (1998) p. 767-768 .

Gerhard Ebeling, der verdiente Altmeister der Lutherforschung, geb. 1912, 1954-1968 Professor in Tübingen, 1956-1979 Professor in Zürich, seitdem Professor emeritus, fühlte sich nach sechs Jahrzehnten des Umgangs mit Luther veranlaßt, «noch einmal Bilanz zu ziehen» (S. 3). Ihm stand vor Augen, daß Luther angesichts der scholastischen Fragestellung, ob die Theologie eine scientia speculativa oder eine scientia practica sei, mit Entschiedenheit die Auffassung vertrat: «Vera theologia est practica et fundamentum eius est Christus, cuius mors fide apprehenditur... Speculativa igitur theologia, die gehört in die Hölle zum Teufel» (WAT, Bd. I, S. 72). Aus dieser Einsicht erwuchs spontan der Plan, «für die Darlegungen über den theologischen Grundzug der Seelsorge Luthers als Quellenmaterial seine Briefe zu verwenden» (S. 3).

Das Werk gliedert sich in drei Teile: A. Präludium und Thema (S. 1-46); B. Variationen (S. 47-446); C. Kadenz (S. 447-482). Ein Register der Bibelstellen (S. 485-488), der Personen (S. 489-492), der Sachen (S. 493-498) und der Sätze (d.h. 270 wichtiger Merksätze aus Luther) (S. 498-511) schließen das Werk ab.

Nach grundsätzlichen Erwägungen im ersten Teil, werden im zweiten Teil Luthers Darlegungen zu den großen Themen der Seelsorge zusammengestellt. Ein weites Spektrum wird erfaßt: Klosteraustritte, die Wahl Ferdinands zum römischen König, bewaffneter Widerstand gegen den Kaiser, die Doppelehe Philipps von Hessen, sonstige Ehefälle, Zurechtweisung des Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg in Sachen Wolf Hornung, Grund und Grenzen der Gehorsamspflicht, kirchliches Handeln im Zwielicht von Macht und Ohnmacht, Seelsorge an zersorgter Seele (gemeint ist damit Melanchthon), Todesangst und Lebenshoffnung, Trostbriefe an Leidtragende, Selbstzeugnis Luthers als eines Angefochtenen. Was das Selbstzeugnis Luthers betrifft, so sah er sich angefochten von mancherlei Krankheit, von den Widrigkeiten der Lebensbedingungen, von den theologischen Kernfragen und vor allem von der Erkenntnis, als Evangeliumsverkünder doch Sünder zu sein. Lediglich die Einbettung in die biblische Sprache konnte ihn da aus der Sprachlosigkeit befreien.

Nach diesen ausführlichen Erörterungen kann im dritten Teil die systematische Zusammenfassung erfolgen, und zwar in zwei Abschnitten: 1. Der theologische Grundzug der Seelsorge bei Luther; 2. Der seelsorgerliche Grundzug von Luthers Theologie. Seelsorge, so ist das Resümee, ist dann akut, wenn nichts mehr von dem, was den Menschen umgibt, ihm letztlich zu helfen vermag und erst recht nicht spontan aus dem eigenen Innern eine Kraft erwächst, die allem überlegen wäre. Man sagt, hier könne nur Gott helfen, der alles insgesamt umgibt und in seiner Hand hält und der zugleich an den innersten Nerv des Menschseins zu rühren vermag, um wahres Leben zu erwecken. «Luthers Seelsorge beruft sich auf das Dasein Gottes, das Verbundensein mit Christus und das Zuhausesein im Worte Gottes» (S. 449). Das ist die trinitarische Grundstruktur der Seelsorge Luthers.

Insgesamt ist das Werk Ebelings ein großer Wurf. Es wird deutlich, das Luther «innerhalb der beiden Zweijahrtausendströme mit ihrer unerhörten Vielfalt der Erscheinungen und Gestalten sowohl unter theologischem wie unter seelsorgerlichem Aspekt eine unverkennbare, aber schwer definierbare Sonderstellung einnimmt... Luthers Theologieverständnis und sein Seelsorgeverständnis stehen, aufs Ganze gesehen, trotz unbestrittener geschichtlicher und sachlicher Zusammenhänge fast wie ein erratischer Block da» (S. 474).


 
 
 
 
 
 
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