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Rivista Antonianum
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Foto Stamm Heinz-Meinolf , Recensione: HANS KRAML - GERHARD LEIBOLD, Wilhelm von Ockham, in Antonianum, 83/2 (2008) p. 333-335 .

Wilhelm wurde etwa 1285-1288 in Ockham in der Grafschaft Surrey im Südwesten Londons geboren. Das Datum seines Eintritts in den Min­derbrüderorden ist nicht bekannt. Seine erste grammatische und philoso­phische Ausbildung erhielt er wahrscheinlich im Ordenskonvent in London. Für das höhere Bakkalaureatsstudium schickte ihn der Orden 1309 nach Oxford. 1317 begann er dort seine Sentenzenvorlesung. Er blieb dort auch als baccalaureus formatus, d.h. als einer, der alle akademischen Leistungen vollbracht hat und darauf wartet, die Befugnis für das höhere Lehramt an der Universität, den Grad des magister, erteilt zu erhalten. Diese letzte Stufe erreichte er aber nicht. Er blieb inceptor, wegen seines hohen wissenschaftli­chen Ansehens aber bereits im 14. Jh. mit dem Beinamen venerabilis inceptor geehrt. In dieser Zeit gerieten nämlich einige seiner theologischen Ansichten in die Kritik. 1323 wurden diese Anschuldigungen auch der päpstlichen Kurie in Avignon vorgetragen. Wilhelm war deshalb von 1324 an gehalten, sich in Avignon aufzuhalten. Zu einer Verurteilung kam es nicht. Aber als er in den Armutsstreit zwischen dem Generalminister des Minderbrüderordens Michael von Cesena und Papst Johannes XXII. verwickelt wurde, musste er 1328 mit dem Generalminister und zwei weiteren Mitbrüdern zunächst nach Pisa und dann nach München fliehen, um sich unter den Schutz des vom Papst nicht anerkannten Kaisers Ludwig IV (des Bayern) zu stellen. Wegen der unerlaubten Entfernung von Avignon wurde er exkommuniziert. Er lebte fortan im Minderbrüderkonvent in München und starb dort - ob mit der Kirche versöhnt, ist unbekannt - im Jahre 1347.

Im 15. Jh. wurden mit der Wiedergeburt des schulischen Denkens seine Werke mit der „modernen" Denkrichtung in Verbindung gebracht. Er er­langte den Rang einer bedeutenden Autorität für den Nominalismus in Paris und an vielen deutschen Universitäten. Am Ende des Mittelalters bildeten die Ockhamisten eine der einflussreichsten Denkschulen neben den Thomi-sten, Albertisten und Scotisten.

Das Werk Wilhelms von Ockham wird nun in vier Kapiteln analysiert: Die sprachbezogenen Wissenschaften (scientiae sermocinales) (S. 14-42); Die sachbezogenen Wissenschaften (scientiae reales) (S. 43-61); Die hand-lungsbezogenen Wissenschaften (scientiae practicae) (S. 62-76); Die poli­tischen Werke (S. 77-88). Das Ansehen des Guillelmus de Ockham unter den Philosophen ist für viele in seinen Beiträgen zur Logik begründet. Seine Logik ist eine Logik der Termini, also der selbständig bedeutsamen sprach­lichen Ausdrücke, die am Anfang oder Ende eines für syllogistische Zwecke normierten Satzes stehen können. Zur modalen Syllogistik hat er beträcht­liche Beiträge geleistet. - Sein Interesse am naturphilosophischen Werk des Aristoteles ist sehr selektiv. Er beschäftigt sich ausschließlich mit der Phy­sik des Philosophen. Die zahlreichen anderen naturphilosophischen Werke bleiben unberücksichtigt. In der Physik geht es um die Bestimmung der Prinzipien der natürlichen Dinge. In der Sicht Wilhelms von Ockham sind Prinzipien nicht so etwas wie empirische Kräfte, die die Bewegung oder Ver­änderung der Dinge lenken würden, sondern Unterscheidungsbegriffe, die uns zu einem präziseren Verständnis der Dinge und ihrer Zustände führen. -Metaphysik ist zu verstehen als jene Disziplin der Philosophie, die nach dem Allgemeinen und Ersten fragt. Als Wissenschaft von den transcendentia kann Metaphysik vom göttlichen Seienden handeln. - Für Wilhelm von Ockham ist, wie für Johannes Duns Scotus, die Freiheit des Willens eine grundle­gende Bedingung für das Personsein überhaupt. Während Gott völlig frei ist, gilt die Freiheit beim Menschen im Rahmen des ihm durch die End­lichkeit als Geschöpf gegebenen Ganzen. Der Wille ist das wichtigste Ver­mögen einer Person, weil seine Akte es sind, die eine Person moralisch gut oder schlecht machen. - Die Ethik steht und fällt mit dem Bezug zu Gott. Allein die Ausrichtung des Willens auf Gott macht eine Handlung über­haupt zu einer moralischen, und zwar zu einer guten, wenn sie aus Liebe zu Gott, d.h. in dem Bestreben, seinen Willen zu erfüllen, geschieht. Der Sinn menschlichen Lebens und die endgültige Glückseligkeit bestehen in dieser willentlichen Hingabe an Gott. - Die Erfahrung im Armutsstreit bewirkten eine Umorientierung im Denken Wilhelms von Ockham. Das Fundament des Minderbrüderordens, Fragen der Kirche, ihrer gesellschaftlichen Gestalt und das Verhältnis von Kaiser und Papst wurden von da an Schwerpunkte seines schriftstellerischen Wirkens.

Nach diesem sehr präzisen Durchblick durch die Gedankenwelt Wil­helms von Ockham werden noch weitere Hilfen zum Studium seines Werkes geboten: eine Beschreibung der Werke (S. 89-98), Lesehilfen (S. 101-103), eine Textauswahl in deutscher Sprache (S. 104-126), eine Übersicht über die Literatur (S. 127-133), ein Glossar (S. 134-136), ein Verzeichnis der Stichworte und Personen (S. 137-142) sowie eine Zeittafel (S. 143). Hans Kraml und Gerhard Leibold, beide von der Universität Innsbruck, haben einen Band bereitgestellt, der für den Einstieg in das Denken Wilhelms von Ockham als unverzichtbare Lektüre bezeichnet werden kann.



 


 
 
 
 
 
 
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